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INSEKTENDRUCKE

  • habild
  • 31. Dez. 2022
  • 3 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 2. Nov. 2025


Warum beschreibe und male ich so gerne Insekten?

 

-              Weil sie klein und zart sind. Wie Kinder. Und trotzdem die ganze Welt in ihnen abzulesen ist und sich in ihnen spiegelt. Wie bei Kindern. In den vielen Jahren, in denen ich kleine Kinder hatte, habe ich immer nach etwas gesucht, was dieser Zartheit und Zerbrechlichkeit und Schönheit, mit der ich von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang konfrontiert war, gleichkam. Ich begann, mich für das Kleine in der Welt einzusetzen.

 

-              Weil sie bedroht sind. Und wenn sie bedroht sind, sind die Vögel bedroht. Und wenn die Vögel weniger werden, dann wird der Gesang weniger. Und es herrscht weniger Geschäftigkeit im Garten, weniger Emsigkeit. Und weniger Hüpfen und Flirren und Streiten, einfach weniger Leben.

Außerdem sind, wenn die Vögel bedroht sind, ganz viele andere Tiere bedroht, die wir nicht missen können und nicht missen wollen.

 

-              Und weil sie ein Zeichen sind, die Insekten, dass es unserer Natur gut geht. Dass wir wilde Flächen lassen, an denen wachsen darf, was wachsen will. So sind die Insekten immer auch ein Zeichen für Freiheit und Wildheit.

 

-              Weil sie so schön sind und so vielfältig wie keine andere Tiersorte. Sie haben sich so viel einfallen lassen bei ihrer Entwicklung, sie haben so unglaubliche Fähigkeiten entwickelt, sie haben sich so sehr ausdifferenziert- langweilig wird es da nie und konforme Spießigkeit kommt auch nicht auf.

 

-              Weil sie tanzen und fliegen und singen können.

 

-              Weil sie auch noch intelligent sind – auch wenn ihre Intelligenz immer unterschätzt wird – aber sie sind unglaublich klug.



SOMMER 25


MASKENTANZ
MASKENTANZ

Es waren einmal fünf Feuerwanzen,

übereinander, nebeneinander, ineinander, füreinander,

die formierten sich zum Tanze,

an einem lauen Juniabend.

In der 1. Reihe: der sicherste Tänzer.

Dahinter: das corps du ballet.

Kniezerrungen oder Wadenbeinbrüche waren nicht zu fürchten,

wohl aber die Aufmerksamkeit der Amseln und Raubwanzen.

Deswegen wurde es ein leiser und feiner Tanz,

kaum merkbar in seinen statischen Schwingungen,

die Choreographie aber präzise ausgearbeitet.

Danach trank man noch ein wenig Lindensaft

und legte sich dann zur verdienten Nachtruhe nieder.




FRÜHLING 25




THE BIG DEAL
THE BIG DEAL


SOMMER 24



Space-Shuttles






Der Baum der Reisenden






2021



Insekten-Zyklus





Die Apfelgespinstmotte:


nach getaner Arbeit.

Gespenstergepinste und Mottenmythen.

Der volle Kahlfraß.

Der Christo unter den Insekten.

Verhüllung für einen Sommer.


Danach: Erholung vom Dauerstress.

Die Pflanze wird schöner als je zuvor.

Nichts wird übrigbleiben vom Spuk-

nichts wird erinnern an den Schrecken der Gespenstergespinste.






Die Holzbiene


Im Totholz zu Hause.

Bei Tagesanbruch Aufbruch

zum Schneckenklee,

zu Thymian auf brachem Feld,

zu Lavendelresten eines abgeernteten Ackers.

Wohin? Wohin zuerst?

Gleichmäßiges Gebrumm, den ganzen Tag.

Salbei oder du saulier?

Der betörende Duft des Ginsters!

Die blauen Blüten des wilden romarin.

Aber um Schönheit geht es nicht.

Es ist immerwährende Arbeit,

die Holzbiene hat keine Freizeit.




Der Baumweißling


Ist es ein Wunsch? Ein Verlangen?

Der Baumweißling sehnt sich nach dem Weiß des Massivs der „Belledonnes“.

Die Höhe, die Strecke,

das schreckt ihn nicht.

Aber Ach! Der Schnee!

Er muss fliehen, zurück! Zurück!

Er taumelt ein Schwanken.

Schwach ist er entkräftet.

Aber der Weißdorn wartet.

Traumverloren segelt er zu ihm,

Aber die Sehnsucht, die wird er nicht los...




Eiffel – Nürburgring


Wir sehen ihn in der Ferne liegen.

Hier, wo wir stehen,

auf dem Lorbeerhügel,

nur Orchideenmusik mit Bienengesang.

Verzweifelte Bienen, die ihre Gefährten nicht finden!

Verzweifelte Grabwespen, die nicht wissen, wo die echte Beute sitzt!


Aber hier – ein Gefährte?

Und dort – eine Fliege zum Vernaschen?

Welche Freude! Welche Verlockung! Bienenradwurz. Fliegenradwurz.

Der Nektar schmeckt, auch wenn die Gefährten schweigen.

So wie die Motoren heute schweigen.




Die Zikade


Die Zi die ka die de.

Die Zik die ade.

Die arme Zikade.

Muss singen den ganzen Tag,

wenn der Vorsänger ruft.

Die gierige Zikade.

Sogar beim Singen

trinkt sie mit ihrem Rüssel Pflanzennektar.

Die weise Zikade.

Kann abwerfen ihre Hülle,

wenn sie wechseln will in ein anderes Sein.


 
 
 

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