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CORONA

  • habild
  • 28. Dez. 2022
  • 1 Min. Lesezeit

Aktualisiert: 1. Sept. 2024





quarantine


Abgeschottet

im Nebel der Wirklichkeit

wie ein kostbares Ding im Glaskasten.


Oder

wie ein Ausgesonderter. Mit Makeln

behaftet, frühzeitig

vom Laufband genommen.

Verbannt

in das Land der Begegnungslosigkeit.


Da hocken sie,

mit Abstand,

eingesperrt in ihren Häusern,

die Quarantänisierten.

Die Langeweile und das Auf-sich-selbst-Geworfensein

graben sich

in die Hohlwände der Knochen,

nisten sich ein in die Kapillaren.

Laufen die Wände hinauf,

tropfen von der Zimmerdecke herab.


Schimmelige bleischwere Leere.




Winterspaziergang


Trostlos und ein bisschen Schnee.

Schneeflocken tanzen taumelnd

einsam wie die Menschen.

Wir erhaschen nichts Neues,

obwohl wir so sehr danach suchen.


Als ich die silbergrauen Mondlandschaftssträucher sehe,

denke ich:

Das hier

ist die Erinnerung

an einen Zauber

der der Welt gerade abhanden gekommen ist.

Trostlos und ein bisschen Schnee.





Nähe


Meine Tochter

lackiert ihre Nägel

unter dem Tamarindenbaum.

Darf ich ihr näherkommen?


Meine Tochter

balanciert auf Händen

unter dem Ginko Biloba.


Ach wenn wir nur wieder

unsere Atem synchronisieren könnten.




Atemübungen


Demutsvoll den Kopf halten

Die Ohren lauschen nach dem Außen

Mit arabesker Hand die Kaffetasse nehmen

Die Bewegung halten

Die Fliege vom Arm pusten

die Haare sich aufstellen lassen.


Den Spatz ins Wohnzimmer hüpfen lassen.

Den Schnabel beim Zwitschern öffnen und schließen hören,

der Ton will hinaus!


Der belebte Atem

bleibt mir so oft

in der Kehle stecken.

 
 
 

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